Jubiläumstagung des Netzwerks Ökofinanz 21 mit hochkarätig besetzter Podiumsdiskussion

Das Netzwerk für nachhaltige Vermögensberatung Ökofinanz 21 e.V. hat vor kurzem sein 15-jähriges Bestehen gefeiert mit einer Veranstaltung in Berlin mit vielen hochkarätigen Gästen und einer Podiumsdiskussion mit bedeutenden Akteuren aus Politik und nachhaltiger Finanzbranche. Im Einzelnen waren das:

Prof. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung
Markus Duscha, Fair Finance Institute und Mitglied bei Finance Watch
Sabine Pex, Rating-Agentur ISS-oekom und Vorstandsmitglied im FNG
Dr. Gerhard Schick, MdB Grüne und Finanzausschuss des Bundestags
Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland
Edda Schröder, Geschäftsführerin der Invest in Visions GmbH und AR-Vorsitzende der Umweltbank

Es freut mich, Teil dieses Netzwerks zu sein und festzustellen, daß der Verein Ökofinanz 21 zunehmend Aufmerksamtkeit findet bei Politikern, der interessierten Öffentlichkeit und in den Medien als ernstzunehmende Stimmme der nachhaltigen Gestaltung der Finanzbranche.

Leitlinien für eine europaweite private Altersvorsorge auf den Weg gebracht

Die EU-Kommission hat letzte Woche einen Entwurf für europäisch einheitliche Altersvorsorge-Verträge auf den Weg gebracht. Unter den Namen „Pepp“ (Pan European Pension Product) soll nun zum ersten Mal überhaupt ein europaweit einheitliches und vor allem in andere Länder mitnehmbares Rentenversicherungs-Modell eingeführt werden. Bis zur konkreten Umsetzung wird zwar sicherlich noch einige Zeit vergehen, aber das Vorhaben verspricht einen riesigen Fortschritt, denn bisher waren Finanzprodukte aller Art (nicht nur Versicherungen) so gut wie gar nicht innerhalb der EU-Länder übertragbar. Einheitliche Standards täten hier längst Not. Und es wäre wünschenswert (wenn auch im Moment nicht absehbar), daß nicht nur formale Kriterien aufgenommen werden, sondern auch nachhaltige Anlage-Mindeststandards.

Ein (zu) „lukratives“ Angebot….

Ein Anschreiben, das ich kürzlich bekommen habe, preist ein Angebot für eine Geldanlage an, mit folgenden Eigenschaften: „110% Sicherheit [sic], jeder Zeit [!] verfügbar, eine Rendite von 7,2% und 100% Steuerfreiheit“. Weiter: „[für] Kunde keinerlei Kosten“ und für den Vermittler „stornofreie Provision“. Konkretere Details, in was denn da investiert werden solle, werden nicht genannt. Man solle aber Kontakt mit dem Absender aufnehmen, falls man „als guter Geschäftsmann ein offenes Ohr für lukrative Geschäfte“ hat.

Das ist schon erstaunlich, daß es solche offenkundigen Nepp- bis betrügerischen Angebote immer noch gibt und daß wohl leider immer noch Menschen auf solche Versprechungen hereinfallen. Und man muß doch immer wieder auf das magische Dreieck der Vermögensanlage hinweisen und darauf, daß, je offensiver konkrete (ungewöhnlich hohe) Versprechungen gemacht werden, desto skeptischer man werden sollte.

Die bedenkliche Macht von großen Fondsgesellschaften

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat vor kurzem einen sehr heiklen und allgemein noch kaum beachteten Umstand thematisiert, nämlich die (un-)heimliche Macht von großen (sehr großen) Fondsgesellschaften. Vor allem der größte Vermögensverwalter der Welt, BlackRock, wird in dem Artikel genannt, der verwaltet insgesamt 4.700 Milliarden Dollar an Investments!! Zum Vergleich, der deutsche Bundeshaushalt hat ein Volumen von „nur“ ca. 300 Milliarden EUR. Mit dieser Marktmacht gelingt es den marktbeherrschenden Fondsgesellschaften, ganze Branchen weitgehend unter ihre Kontrolle zu bringen und mit Ihrem Einfluß über ihre Stimmrechte können sie damit mehr oder weniger den Wettbewerb aushebeln und die Geschäftspolitik der einzelnen Unternehmen weitgehend nur noch dem (Rendite-)Interesse der Fondsgesellschaft unterordnen. Alleine in Deutschland z.B. ist BlackRock der Mehrheitseigner von mehr als einem Drittel aller DAX-Konzerne! Es sind also oft gar nicht mehr im wesentlichen die Unternehmensvorstände, die die Unternehmenspolitik entscheidend prägen, sondern vielfach bereits die marktbeherrschenden großen „Vermögensverwalter“. Bliebe noch zu fragen, wessen Vermögen da verwaltet wird. Sicherlich nur zu einem Bruchteil das von „normalen“ Privatinvestoren, aber es sei hier auch erwähnt, daß die oben genannte Fondsgesellschaft durchaus auch eine Anzahl an (teilweise recht gängigen) Publikumsfonds in Deutschland anbietet. Und auch einer der größten ETF-Anbieter hierzulande ist…..

 

Übrigens, BlackRock bietet sogar auch eine (sehr) kleine Anzahl von Fonds und ETFs hierzulande an, die als „nachhaltige“ Anlagen geführt werden. Ernsthafte und verantwortliche Nachhaltigkeitskriterien kann man von solchen Angeboten jedoch kaum erwarten. Dann greift man lieber auf die durchaus vorhandenen sehr guten nachhaltigen Fonds von mittelgroßen und kleineren spezialisierten Gesellschaften zurück, bei denen übrigens gerade das Thema Stimmrechtsausübung und Dialog mit den Unternehmen (Fachbegriff: „Engagement“) im Sinne von guter Unternehmensführung und Achtung von Umwelt- und Sozialstandards (ESG-Kriterien) neben den reinen Auswahl- und Ausschlußkriterien eine der wesentlichen nachhaltigen Wirkungen darstellt.

In was investieren Indexpolice-Modelle der Lebensversicherer?

Sogenannte Indexpolicen werden immer öfter angeboten von Lebensversicherern. In Zeiten von Leitzins Null und sehr niedrigen Renditen von Anleihen ist es schon klar, daß klassisch anlegende Lebens- oder Rentenversicherungen kaum noch eine lohnenswerte Rendite abwerfen können. Daher bewerben neben den schon lange bekannten fondsgebundenen Tarifen die Lebensversicherer seit einigen Jahren ein recht neues Anlagemodell namens „Indexpolice“. Während die „klassische“ Lebens-/Rentenversicherung über ihren sog. „Deckungsstock“ hauptsächlich in Anleihen (festverzinsliche Wertpapiere) investiert und die fondsgebundenen Versicherungen im wesentlichen in eine Auswahl von – eben – Investmentfonds anlegen, in was investieren dann bitte diese „Indexpolicen“? Hierzu ein Zitat aus einem Bericht eines Fachmagazins:

„Die Versicherer beteiligen sich mit den Überschüssen der Indexpolicen nicht direkt am gewählten Index, sondern gehen sogenannte Cliquet-Optionen ein. Das sind außerbörsliche Geschäfte mit Investmentbanken. Die Beteiligung an der Wertentwicklung eines Index wird mittels Derivaten gesteuert, bei denen in komplexen Computersimulationen ein bestimmtes Ertragsprofil simuliert wird.“

Alles klar? Klingt das nicht ‚vertrauenerweckend‘ ?? „Außerbörsliche Geschäfte mit Investmentbanken“  und „mittels Derivaten gesteuert, bei denen in komplexen Computersimulationen ein bestimmtes Ertragsprofil simuliert wird“. Nunja, wer diese Anlageart vollständig verstanden hat, der kann natürlich so ein Modell wählen. Und wer gerne Investmentbanken vertraut, die das Geld mit „Derivaten“ (also Wettgeschäften) mittels „komplexer Computersimulationen“ zu vermehren suchen, der mag sich vielleicht für so eine Indexpolice entscheiden.

Aber wer lieber transparente und einwandfrei nachvollziehbare Formen der Geldanlage bevorzugt und wer darüber hinaus auch noch ethisch-ökologische Kriterien bei seiner Anlage berücksichtigt sehen möchte, der dürfte mit einer solchen Indexpolice kaum glücklich werden. Dabei gibt es nun wirklich gute Alternativen, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Lebensversicherer und ausgewählte Fonds mit ethisch-ökologischen Anlagekriterien und guter Performance. In Form einer Lebens-/Rentenversicherung, aber auch anderweitig als Fonds-Sparplan (sogar auch in Sachwerten) kann man sein Geld durchaus auch klar verständlich und vor allem nachhaltig ansparen.

Erstes Nachhaltigkeitssiegel für Investmentfonds wird nun am 8.Dezember vorgestellt

Der Branchenverband Forum Nachhaltige Geldanlagen arbeitet bereits seit einiger Zeit intensiv an einem einheitlichen Siegel zur Auszeichnung von nachhaltigen Investmentfonds. Es handelt sich dabei um die erste Kennzeichnung dieser Art in Deutschland, die es allen interessierten Anlegern ermöglichen wird, bei Investmentfonds auf den ersten Blick zu sehen, ob bestimmte ökologische, ethische und sozialen Mindestkriterien bei der Auswahl der investierten Wertpapiere eingehalten werden. Auch wenn es natürlich noch viele weitere und  differenziertere Aspekte gibt, die bei der Zusammenstellung eines (ökologisch und ökonomisch) guten nachhaltigen Fondsportolios berücksichtig werden sollten, so ist dieses Siegel doch ein wichtiges Signal für die öffentliche Wahrnehmung von ethisch-ökologischen Geldanlagen (ähnlich wie bei den ja schon seit langem etablierten Bio-Siegeln im Lebensmittelbereich). Die Vorstellung der erstens Fonds, die dieses Siegel erhalten werden findet nun am 8.Dezember in Berlin statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird es auch Gelegenheit zum Austausch mit Gästen aus Finanzbranche, Wissenschaft, Medien und Politik geben.

Eine erste Krankenversicherung will Kunden per Smartphone überwachen

Die Generali Krankenversicherung hat angekündigt, daß sie ab nächstem Jahr einen Tarif herausbringen wird, der Kunden mit Rabatten oder Gutscheinen belohnt, wenn sie sich per Smartphone überwachen lassen, ob sie einen gesunden Lebensstil pflegen. Die Kunden sollen dann über ihr Smartphone sportliche Aktivitäten nachweisen, Vorsorgetermine dokumentieren, sowie ihre Ernährungsgewohnheiten. Als Gegenleistung sollen dann möglicherweise auch günstigere Prämien der Krankenversicherung winken.

Ein Schritt weiter zum gläsernen Menschen und zu Recht gibt es massive Kritik daran von Datenschützern und Verbraucherschutzverbänden.

Genauso bedenklich scheint mir dabei die Preisgabe der Idee der Solidarität einer Versicherung, wenn diejenigen günstiger wegkommen, die (gerade) gesund sind, heißt das ja, die anderen zahlen mehr. Das widerspricht der ursprünglichen Idee einer Versicherung als Gemeinschaft, bei der einige (momentan Gesunde) mehr einzahlen als herausbekommen und andere, die es brauchen, eben per Saldo mehr an Mitteln erhalten. Übrigens, selbst die „Solidarität mit sich selbst“ sozusagen wird dadurch untergraben, den man mag in jungen Jahren vielleicht gesund und fit sein (und dies auch per Smartphone „nachweisen“), aber im Alter kann das oft natürlich ganz anders aussehen. Dann wendet sich dieses System, von dem man früher vielleicht profitiert hat, auf einmal gegen einen selbst – sobald man nicht mehr fit und gesund ist.

Viele andere Versicherer lassen verlautbaren, daß sie an der Einführung eines solchen Tarifes nicht interessiert sind, es ist auch zu hoffen, daß sich eine solche Idee nicht durchsetzen wird am Markt.

 

Interview mit mir in Fondsprofessionell zu nachhaltigen Fonds

In der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Fondsprofessionell ist ein Artikel erschienen zum Markt der nachhaltigen Investmentfonds: „Suche nach dem grünen Punkt“. Der Autor schreibt recht anschaulich über das (immer noch überschaubare) Segment der ethisch-ökologisch orientierten Investmentfonds und die entsprechenden Beratungsansätze. Es wird darin auch aus Interviews zitiert, u.a. mit Sabine Pex, der stellvertretenden Vorsitzenden des Forums Nachhaltige Geldanlagen (in dem ich auch Mitglied bin), ebenso wie aus einem Gespräch mit meiner Person. Ich äußere mich hier über meine Strategien zur Erstellung meiner nachhaltigen Fondsportfolien.

In der selben Ausgabe der Zeitschrift findet sich auch der Beitrag „Unterm grünen Schirm“ über die Qualitates GmbH, der auf Nachhatligkeit ausgerichteten Organisation, mit der ich im Bereich der Vermögensanlagen zusammenarbeite.

Ansätze von Nachhaltigkeit bei Goldmünzen und -barren

Goldmünzen und -barren, von manchen als krisensichere Anlagebeimischung geschätzt, hat allerdings bisher aus ökologischen und sozialen Gesichtspunkten eine weitgehend verheerende Bilanz: extreme Umweltverschmutzung und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse beim Abbau bis hin zu zweifelhaften Lieferanten aus Militärdiktaturen. Nun gibt es aber seit einiger Zeit Bestrebungen, zunächst im Schmuckgold-Bereich, Gold aus fairen Produktions- und Handelsverhältnissen zu beziehen. Bei Anlagegold hat es etwas länger gedauert, aber Ansätze dazu sind inzwischen, wenn auch bisher nur vereinzelt, vorhanden. Einen aufschlußreichen Bericht dazu gibt es in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“. So bezieht z.B. die Prägeanstalt Münze Österreich das Rohmaterial für die Wiener Philharmoniker Goldmünzen ausschließlich von der Schweizer Scheideanstalt Argor-Heraeus. Diese wiederum stand zwar vor einigen Jahren noch in der Kritik, sogenanntes Blutgold aus dem Kongo bezogen zu haben, erfüllt aber inzwischen die Vorgaben von Umwelt- und Sozialstandards des Code of Practices der Branchen-Organistation Responsible Jewellery Council. Bleibt zu hoffen, daß diese Standards und die eigenen Nachhaltigkeitsansprüche des Edelmetallverarbeiters tatsächlich auch einer kritischen Überprüfung standhalten. Immerhin ist ein verstärktes Nachhaltigskeitsbewußtsein und eine zunehmend aufmerksamere Öffentlichkeit auch in dieser Branche angekommen.

Was Barrengold betrifft, so sticht die Pforzheimer Scheideanstalt Heimerle und Meule heraus, die Gold ausschließlich aus überprüften, unbedenklichen Quellen annimmt und auf Primärgold vollends verzichtet (d.h. nur recycletes Gold verarbeitet) und als konfliktfreier Goldaufarbeiter von der Conflict-Free Sourcing Initiative zertifiziert ist. Leider bieten bisher nur wenige Goldhändler für den Endkunden Barren von Heimerle und Meule an. Auch diesbezüglich ist also auf eine Ausweitung des Nachhaltigkeitsbewußtseins in der Edelmetallbranchen zu hoffen. Daß Ansätze dazu da sind, ist aber zumindest eine erfreuliche Entwicklung, die weiter gefördert und gefordert werden sollte.

Geht doch: Apple nutzt zu 100% Erneuerbare Energien und Google auf dem Weg dazu

Man kann sicherlich (und sollte!) zum Umgang mit gesammelten Daten bei Google und zu den Produktionsbedingungen bei Apple noch viel Kritik üben, was allerdings die Produktion von Strom für die riesigen Rechenzentren betrifft, da ist Apple vorbildlich und Google auf dem Weg dazu. Apple produziert inzwischen als einziger großer IT-Konzern weltweit den gesamten Strom zu 100% aus Erneuerbaren Energien! Google (und übrigens auch Facebook) streben das 100%-Ziel noch an, Google wird immerhin in Europa in Kürze alle Rechenzentren vollständig mit Erneuerbaren Energien stromversorgen. Ein wichtiger Schritt, wenn solche Unternehmen den anderen zeigen, daß das durchaus funktionieren kann mit ausschließlich umweltfreundlicher und ressourcenschonender Stromproduktion.

Ein interessantes Detail dazu am Rande: Einige Großinvestoren bei Apple haben ursprünglich versucht, sich vehement gegen diesen Schritt zu wehren und die (anfangs) „zu hohen Kosten“ für Umstellung auf Stromquellen aus Sonne, Wind und Wasserkraft kritisiert. Hier ist schon bemerkenswert, mit welchem Nachdruck sich Apple Chef Tim Cook gegen diese kurzsichtige Kritik an längerfristigen nachhaltigen Strategien zur Wehr gesetzt hat. Diese Begebenheit zeigt ebenfalls, wie wichtig es ist, wenn mehr und mehr Investoren mit konsequenten nachhaltigen Strategien am Markt auftreten, unter anderem durchaus auch durch ökologisch orientierte Investmentfonds.