Volksbanken steigen nun aus Nahrungsmittelspekulationen aus

Die DZ-Bank als Zentralinstitut aller Volks- und Raiffeisenbanken und ihre Investmentfonds-Tochtergesellschaft Union Investment haben angekündigt, sich vollständig aus dem Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen zurückzuziehen. Ein wirklich lobenswerter Schritt. Nur bei Deutscher Bank und Allianz (u.a.) scheint man soweit in Erkenntnis einer gesellschaftlichen Verantwortung noch nicht zu sein….

Über 100 Mio. EUR wurden 2012 in Deutschland mit Agrarspekulationen verdient!

Dabei ist die Allianz mit 62 Mio. der größte Akteur auf diesem Geschäftsfeld, auch die Deutsche Bank ist weiterhin maßgeblich in Agrarspekulationen investiert. Laut einem Bericht der Hilfsorganisation Oxfam wurden alleine in Deutschland 2012 insgesamt 116 Millionen Euro mit Nahrungsmittelfonds eingenommen! Bemerkenswerterweise werden in vielen Artikeln immer wieder Wirtschaftswissenschaftler zitiert, die einen negativen Einfluß auf die Preisentwicklung bestreiten. Obwohl sogar die eigenen Research Abteilungen von Deutscher Bank und Allianz nachweislich zumindest einen Beitrag der Spekulationsgeschäfte zu Preisanstiegen bei Nahrungsmitteln einräumen.

Sparkassen überlegen Ausstieg aus Lebensversicherungsgeschäft

Schon bemerkenswert, daß die deutschen Sparkassen in einem internen Papier überlegen, sich vollständig von ihrem Lebensversicherungs-Neugeschäft zu trennen, wie das Manager Magazin meldet. Davon wären vor allem die Versicherungskammer Bayern und die Provinzial Versicherungen betroffen. Noch ist das nur ein Konzept, aber daß der Lebensversicherungsmarkt im Umbruch ist und sich zumindest deutlich bereinigen wird, dafür sprechen immer mehr Anzeichen. Unter anderem machen eben auch den Sparkassen-Versicherern hohe alte Garantiezinszusagen zu schaffen im aktuellen (und wohl länger anhaltenden) Niedrigzinsumfeld.

Die „gefährlichsten Finanzprodukte Europas“ sind gewählt

In dem hier öfter erwähnten Wettbewerb um „die gefährlichsten Finanzprodukte Europas“ ist nun heute die Entscheidung gefallen. Und es freut mich feststellen zu dürfen, daß der Vorschlag, den ich für Geld mit Sinn e.V. eingereicht habe, einer der beiden Gewinner ist. Bemerkenswert dabei u.a. ist, daß es sich bei beiden hier kritisierten Finanzprodukten um eine Gefährlichkeit handelt, die uns als Verbraucher in den industrialisierten Länder zunächst gar nicht direkt betrifft – sondern vor allem Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ein schönes Beispiel für das zunehmende Bewußtsein, daß wir in einer Welt leben und auch nicht umhin können, uns um das Wohl aller Menschen und Wesen auf diesem Planeten Gedanken zu machen und Verantwortung dafür zu übernehmen.

Auf die weiteren Aktivitäten im Anschluß an die Internet-Abstimmung bin ich nun sehr gespannt, heute gab es eine Telefon-Pressekonferenz dazu und es soll auch eine Fahrt nach Paris stattfinden zur Diskussion mit dem Chef der zuständigen EU-Behörde zur Stabilitätssicherung des Finanzsystems der Europäischen Union (ESMA).

Online-Abstimmung zum gefährlichsten Finanzprodukt Europas bis zum 14.März!

Wie bereits mehrfach hier erwähnt, habe ich bei dem Wettbewerb „Die gefährlichsten Finanzprodukte Europas“ in Zusammenarbeit mit Geld mit Sinn e.V.  einen Vorschlag eingereicht, nämlich: „Nahrungsmittelfonds: DB Platinum Agriculture Euro und vergleichbare“ (hier geht es um das sehr umstrittene Thema der Nahrungsmittelspekulationen). Von allen Einsendungen wurden insgesamt acht Vorschläge zur Endabstimmung ausgewählt, und ich freue mich erwähnen zu können, daß der meine darunter ist.

Heute hat die Online-Abstimmung darüber begonnen, sie läuft 10 Tage bis zum 14.März.  Es würde mich natürlich freuen, sollten Sie von meiner Begründung überzeugt sein, wenn Sie auch für diesen Vorschlag abstimmen würden. Das kann unter folgender Seite getan werden:

http://www.dangerous-finance.eu/umfrage/?lang=de

Das ist in der 2.Kategorie der 2.Eintrag mit dem Titel:
„Nahrungsmittelfonds: DB Platinum Agriculture Euro und vergleichbare“
Der vollständige Begründungstext dazu kann über folgenden Link angesehen werden:

http://goo.gl/K5IUi

Interessante aktuelle Diskussionen zum Thema Nahrungsmittelspekulationen

Wie bereits hier vermeldet, habe ich in dem Wettbewerb zum „gefährlichsten Finanzprodukt Europas“ in Zusammenarbeit mit Geld mit Sinn e.V. einen Vorschlag eingereicht. Dieser Vorschlag ist nun angenommen worden und nimmt also an der endgültigen Abstimmung teil. Es ist auch interessant zu beobachten, welche Pro- und Contra-Diskussion diese Eingabe bereits auf der Veröffentlichungsseite ausgelöst hat.

Weiterhin sind zu diesem Thema gerade vor wenigen Tagen neue Meldungen aufgetaucht, wonach wohl selbst die Research-Abteilungen der betreffenden Finanzinstitute (v.a. Deutsche Bank und Allianz) zugeben, daß die Finanzspekulation auf Nahrungsmittelpreise zu nennenswerten Preisschwankungen und damit auch -steigerungen zumindest zum Teil beitragen. Foodwatch hat dazu detaillierte Informationen und sogar die jeweiligen (internen) Research-Papiere dieser genannten Akteure der Finanzbranche veröffentlicht.

Vorschlag zur Ausschreibung des „Gefährlichsten Finanzproduktes Europas“

Der grüne Europa-Parlamentarier Sven Giegold hat den interessanten Wettbewerb initiiert das „gefährlichste Finanzprodukt Europas“ zu suchen.

Hier meine Vorschlag dazu in Zusammenarbeit mit Geld mit Sinn e.V.:

DB Platinum Agriculture Euro R1C

ISIN:  LU0338689523

Stellvertretend für alle anderen Produkte, die mit den Veränderungen von Nahrungsmittelpreisen spekulieren.

Spekuliert wird in diesem speziellen Produkt auf die Preisentwicklungen von Weizen, Mais, Zucker, Sojabohnen, Baumwolle, Kaffee und Kakao.

 

Begründung:

Weil dadurch ganz viele Geringstverdiener auf dieser Welt in Ihrer nackten Existenz bedroht werden und ganz konkret Menschen sterben, die sich ihre Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten können. Durch die in den letzten etwa 10 Jahren stark gestiegenen rein spekulativen Transaktionen an den Warenbörsen entstehen völlig unnatürliche Preisschwankungen, die mit den tatsächlichen Fördermengen nichts mehr zu tun haben. Es beträgt z.B. das Handelsvolumen an den Getreide-Börsen an einem einzigen Tag bis zu dem achtfachen der jeweiligen Jahresernte!! Dadurch werden oft künstliche Hochpreisphasen erzeugt, die bis zu einem Jahr anhalten können. Und da fast ausnahmslos sämtliche Verkaufspreise auf der Welt von Grundnahrungsmittel sich an den aktuellen Börsenpreisen orientieren, entsteht dadurch direkt das Problem für die ärmsten Bevölkerungsschichten, die sich dann ihre Grundnahrungsmittel über einen längeren Zeitraum nicht mehr leisten können und an den Folgen von Unterernährung leiden oder sogar sterben.

Quelle u.a.: Foodwatch Report 2011 „Die Hungermacher“

Abgesehen davon rechnet sich dieses Anlageinstrument nicht mal für den Kunden: seit seiner Auflage im März 2008 hat der Fonds 33% an Wert verloren (Stand 12.02.2013).

Wer investiert gerne in Monsato?

Das aktuelle Magazin einer großen Fondsbank listet unter den Investmentfonds mit den größten Beständen auf Platz 4 den „M&G Global Basics  Fund“. Auch viele bekannte Publikationen nennen dieses Finanzprodukt als ein empfehlenswertes Investment. Wenn man sich das aktuelle Factsheet ansieht, stellt man fest, daß dieser Fonds aktuell als viertgrößtes Einzelinvestment die Firma Monsanto beinhaltet (ein Umstand der übrigens keineswegs eine temporäre Erscheinung ist, sondern schon seit Monaten und Jahren so besteht). Es drängt sich nun schon die Frage auf, welche Menschen ernsthaft freiwillig in eine Firma wie Monsanto investieren und von deren Geschäftsgebaren profitieren wollen? Offensichtlich wird nach wie vor so gut wie überhaupt nicht hinterfragt, in welche Werte solche ach so beliebten Publikumsfonds überhaupt investieren. Auch nicht von der Presse. Dabei gäbe es wirklich (auch performancemäßig!) angemessene Alternativen unter den nachhaltigen Investmentfonds, die solche ethisch-ökologisch überhaupt nicht vertretbaren Zielinvestments ausschliessen.

Deutsche Bank und Allianz wollen weiter mit Agrarprodukten spekulieren

Die Deutsche Bank hat vor kurzem verlauten lassen, daß sie weiterhin „im Interesse ihrer Kunden“ Finanzprodukte anbieten will, die die Spekulation auf Agrarprodukte (also auch Lebensmittel) zum Inhalt haben, wie u.a. das Manager Magazin meldet. Auch die Allianz äußert sich mit ähnlichem Tenor. Die Deutsche Bank will „keinen Nachweis gefunden [haben], daß die Spekulation für die Preisentwicklung verantwortlich ist“. Doch gerade zu dieser Problematik gibt es eine ausführliche Untersuchung im Auftrag von foodwatch, die das Gegenteil belegt, nämlich welche verheerenden Folgen gerade die durch diese Art von Spekulation hervorgerufenen starken Preisschwankungen besonders bei sehr armen Bevölkerungskreisen auf dieser Welt haben können. Eine ernsthafte nachhaltige Geldanlage sollte also auch diesen Aspekt angemessen mit berücksichtigen.

Kritischer Blick auf die Beratungspraxis bei Lebensversicherungen

Diese Tage geht eine Meldung durch die Presse zur Falschberatung bei Lebensversicherungsprodukten und dem daraus entstehenden Schaden bei den Verbrauchern. Der Wirtschaftsprofessor Andreas Oehler erstellte diese Studie im Auftrag von Bündnis 90/Die Grünen. Die Studie kommt zu der extrem hohen Summe von 50 Milliarden Euro Schaden, der danach pro Jahr (!) den Verbrauchern entsteht. Einer der guten Kommentare zu diesem Thema findet sich auf Börse Online. Ohne gleich pauschal sämtliche Arten von Altersvorsorge als sinnlos zu verdammen (was dann doch über das Ziel hinausschiessen würde), muß man doch feststellen, daß tatsächlich immer noch viel zu viele Berater (255.000 registrierte Versicherungsvermittler in Deutschland!) alleine davon leben, Kunden Lebensversicherungsprodukte gegen hohe Provision zu verkaufen, die keinen Sinn in der jeweiligen persönlichen Finanzplanung ergeben, ergo (nunja, kleines Wortspiel….) vorzeitig aufgelöst werden müssen. Und gerade dazu ist zu sagen, daß die Leistungen, die in einem solchen Fall fliessen, tatsächlich alles andere als kundengerecht von den Versicherern kalkuliert sind.

Provision könnte ja grundsätzlich durchaus eine angemessene Vergütung für eine gute Beratungsleistung sein, nur sieht die Praxis leider so aus, daß allzu oft die entsprechende Leistung (also ein wirklich auf den Einzelfall passender und optimierte Plan zum Vermögensaufbau) nicht erbracht wird. Ganz zu schweigen von den vielen nicht betreuten Riester-Verträgen, bei denen sich niemand darum zu kümmern scheint, daß die Kunden überhaupt ihre ihnen zustehenden Zulagen erhalten. Ob man diese Situation durch noch mehr Gesetze zur „Verbraucherinformation“ lösen kann, darf mit Sicherheit bezweifelt werden. Ein Wechsel von einem provisionsorientierten Beratungsmodell zu einer leistungsgerechten (Honorar-) Bezahlung der Berater könnte dagegen grundsätzlich (wie es andere europäische Länder ja schon vormachen) ein Schritt in die richtige Richtung sein.